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Mittwoch, 10. April 2019

Fünf Jahre Zugvogel

Vor fünf Jahren hat mein Leben malwieder eine drastische Wendung genommen. Ich habe innerhalb von kürzester Zeit die beiden Dinge verloren, die mir am wichtigsten waren. Meine Vision und meine Ehe. Und im nachhinein bin ich dafür unendlich dankbar, denn ich habe dafür ein Leben als Zugvogel bekommen. Das war zwar alles nicht der Plan, aber es kommt ja eh immer alles anders als geplant. Zuerst bin ich einfach nur mit einem One-Way-Ticket nach Bangkok. Ohne zu wissen ob oder wann ich wiederkomme. Aber ich war definitiv nicht frustriert genug, wie die ultimativen Aussteiger, die für immer Deutschland verlassen und überall auf der Welt trotzdem weiter meckern. Und ich war auch nicht luftig genug wie all die Digital Nomads, die überhaupt keine Homebase mehr haben und überall Zuhause sind wo ein Co-Working Space mit gutem Internet ist. Der Lebensentwurf Zugvogel war auch kein bewusster Plan, sondern eher etwas, was sich natürlich entwickelt hat.

Gleich am ersten Tag bin ich in Bangkok ganz unbewusst und intuitiv an der Asoke Kreuzung stehen geblieben und habe einen Granatapfelsaft gekauft. Das war so ein tiefer Pause Knopf, den die Welt vergessen hat zu drücken. Und diese Kreuzung hat mich über die fünf Jahre konstant magisch angezogen, sodas ihr Umkreis mein zweites Zuhause wurde. In Berlin nenne ich meine Wohnung Vogelnest, weil sie hoch oben wie in einem Baum liegt. Klein und gemütlich mit toller Aussicht. Trotzdem im Zentrum einer Weltmetropole. Was der Alex für mein Berlin ist, wurde die Asoke Kreuzung für mein Bangkok. Und der SWU-Lawn wurde mein Engelbecken, an dem ich mein Zugvogelnest gefunden habe. Zugvogel weil ich die letzten fünf Jahre die Winter in Bangkok und die Sommer in Berlin verbracht habe. Ich kenne nicht viele Menschen die so leben, aber es war genau wie ich leben wollte, ohne mit irgendjemandem zu tauschen.

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Viele Leute haben mich immer gefragt wie ich das denn mache und sie könnten das nicht. Bei mir war es aber wie gesagt garkeine bewusste Entscheidung, sondern eine intuitive. Und es waren auch nicht erst die Mittel und Möglichkeiten da, sondern rein garnichts, als ein großes Loch und eben dieser Pause Knopf. Den, den viele Menschen nicht wagen zu drücken, weil er so unvorstellbar ist. Einfach mal nichts machen, ist eine der schwierigsten Aufgaben des Lebens. Und ich habe hier die letzten fünf (halben) Jahre immer wieder ziemlich aktiv garnichts gemacht. An einem emotional sehr tiefem Punkt bin ich angekommen und die letzten fünf Winter hier haben mich so unendlich doll positiv aufgeladen. Es waren die bis dato schönsten Jahre meines Lebens und jetzt ist die Achterbahn des Lebens malwieder an einem der höchsten Punkte angelangt.

Es ist natürlich unmöglich zu Beschreiben was alles passiert ist, aber ein paar Sachen möchte ich gerne teilen. Ein spannendes Learning war der Kontrastblick, den ich jedesmal hatte, egal in welche Richtung ich geflogen bin. In beide Richtungen habe ich mich immer gefreut mein Bangkok und mein Berlin wieder zu sehen. Um wenn man irgendwo lebt bekommt man viele Veränderungen garnicht mit, weil sie schleichend passieren. Genau wie man einen Baum nicht wachsen sehen kann. Aber wenn man all die Veränderungen auf einmal sieht, sieht man sie viel klarer und deutlicher. Und durch die Veränderungen sieht man überhaupt erst was wichtig ist.

Ein weiteres Learning war auch, dass sich meine Komfortzone extrem ausgebreitet hat. Die ersten Male ist jede neue Destination natürlich aufregend und spannend. Die weitern Male entdeckt man  auch immernoch neue Sachen. Richtig tief rein ins Leben kommt man aber erst, wenn man sich innerlich vollkommen an einem Ort entspannen kann. Und obwohl Asien, Thailand und Bangkok so vollkommen anders ist, fällt es mir überhaupt nicht mehr schwer, mich hier einzutunen. Und das lässt sich glaube ich inzwischen auf viele Orte übertragen. Reisen ist inzwischen so viel einfacher geworden als früher. Sobald man eine SIM Karte mit Internet hat flutscht einfach alles. Und das lässt die Welt für mich wirklich zusammen wachsen. Diese ganzen Ländergrenzen spielen eigentlich irgendwie nurnoch bei der Passkontrolle eine Rolle. Aber ich könnte mein Leben glaube ich inzwischen überall sehr leicht Leben sofern mein Smartphone Empfang hat. Und das heißt nicht, dass es überall gleicher wird. Im Gegenteil habe ich immer mehr erkannt, wie wunderschön bunt die Welt ist. Alles mixt sich mit allem und wird dadurch immer nur noch bunter.

Mit Bangkok als Base konnte ich auch alle Nachbarländer besuchen oder Orte in dieser Region hier für die man sonst nicht mal eben um die halbe Welt fliegen würde. Was ganz geil ist da Bangkok genau in der Mitte eines relativ kleinen Kreises liegt, in dem die Häfte der Weltbevölkerung lebt. Und die Unterschiede der Südostasiatischen und Ostasiatischen Länder verstehe ich jetzt noch viel viel besser. Generell habe ich jetzt schon mehrere Jahre in Asien verbracht und dadurch die östliche Weisheit ganz automatisch immer mehr in mein Leben integriert. Zum Beispiel durch meinen Bachelor, Master und Doktor im Massiertwerden. Oder die über tausend Stunden Meditation in Hunderten Tempeln und bei fünf Vipassana Kursen. Etwas was hier nach wie vor ein tiefer und prägender Bestandteil der Kultur ist. Und am allerliebsten sind mir natürlich die Thais. Wie sie sich einfach nicht all zu ernst nehmen, brilliant entspannt aus der Affäre ziehen und immer eine bunte kreative Lösung bereit haben. Ein dickes fettes Khob Khun Krab an euch. Es war extrem schön und lehrreich so zu leben doch jetzt kommt wieder etwas anderes. Den die Tiefe der zwei Sachen die ich verloren hatte, ist als Zugvogel schwierig zu erreichen. Von daher fliegt der Zugvogel jetzt wieder etwas zurück ins wahre Heimatnest. Berlin!





Mittwoch, 11. Mai 2016

Meister des Massiert-werden

Nach meiner über sechs monatigen Grundausbildung zum Thai-Massage Experten (Bachelor), habe ich nun quasi nochmal einen Master nachgeschoben. Wieder habe ich in vier Monaten jede Woche mindestens eine Massage bekommen und mein Expertenwissen im "sich massieren lassen" ist nun noch spezifischer. Hier nun ein paar Learnings.


Aus dem Flieger raus gleich erstmal eine Oil-Massage zum ankommen und einsteigen. Als nächstes eine Runde ausschließlich Schulter Beton aufbohren. Und dann über die Füße systematisch zum Klassiker der traditionellen Thai-Massage vorgearbeitet. Als ich dann allerdings mal wieder zu einer Audienz bei seiner Heiligkeit König der Faulheit geladen war, wurde mir auf erschreckende Weise mein Anfängergeist vorgehalten. Als ich stolz von meiner sechs Monatigen Ausbildung berichtete und meiner neuen systematischen Strategie fragte er lediglich: "... und wie lange?". Halb verdattert antwortete ich: "... na eine Stunde standart" Und wieso ich denn nicht einfach immer je zwei Stunden mache? Am Preis kann es kaum liegen. Da habe ich so großkotzig angegeben mich jede Woche massieren zu lassen und habe vollig übersehen wie einfach und brillant es ist, sich jede Woche gleich zwei Stunden am Stück massieren zu lassen.

Das habe ich dann natürlich sofort in die Tat umgesetzt und auch verstanden, dass zwei Stunden nicht doppelt so viel sind wie eine, sondern dass man in der zweiten Stunde ja viel tiefer sinken kann. Inzwischen bin ich konstant so entspannt, dass ich schon gar keine Massage mehr brauche oder will. Es geht zwar immer noch tiefer aber an der Oberfläche bin ich inzwischen weich wie Luft. Nochmal ein qualitativ deutlicher Unterschied in den feineren Paretoprinzip Bereichen.

Ein weiteres Learning war, dass ich diesmal zu den selben (guten) Orten mehrfach gegangen bin. So habe ich jetzt meine Plätze gefunden wo es in Bangkok die stärkste Fußmassage gibt oder Thai-Massage Ladys die mich und meine Schwachstellen kennen. In Chiang Mai habe ich auch die mit Abstand beste Thai-Massage in einem kleinen Tempel gefunden. Dort geht es ruhig und langsam zu. Jedes mal wenn ich dort war, wussten die Thais genau wie stark Sie drücken mussten. Und zu den guten Orten zurück zu kommen hat noch einen weiteren Vorteil. Die Nervosität des Neuen weicht der Entspannung des alt Bekannten. Man weiß was man bekommt. SAME SAME but different.

Zwischendurch habe ich natürlich trotzdem ein paar Experimente gemacht. Eine deutlich teurere Ayurveda Massage, eine knackige Kurzmassage auf dem Herrenklo einer Rooftop-Bar und ein paar Sessions in Kambodscha. Die Cambodia-Version war aber ähnlich unterentwickelt wie dieses Nachbarland. Irgendwie verzweifelt und schlechter. Jetzt geht es erstmal wieder nach Schland wo ich mich ausgiebig anspannen kann. Ich habe allerdings etwas Angst vor meiner dann anstehenden Promotion. Womöglich muss ich dann auch noch meinen wöchentlichen Rhythmus aufgeben oder sowas. Exhale and Relax.

Montag, 11. Mai 2015

Digital Nomad Produktivität und die Lazy Wildcard

Von März bis April habe ich über einen Monat in Chiang Mai gelebt. Die zweitgrößte Stadt von Thailand ist die Welthauptstadt der Digital Nomads. Sprich Leuten die ortsunabhängig arbeiten. In dieser Stadt finden sich die absolut besten Lebensbedingungen für eben diese seltsame Spezies von Mensch und das auch noch zu lächerlich niedrigen Kosten. Unser Apartment war z.B. ein modernes neues voll eingerichtetes Condo mit Pool, Fitness Studio und Sauna die keiner braucht bei der Hitze. Egal, es kostet all inclusive 300$ die wir dann ja auch noch durch zwei teilen können. Auch ansonsten sind die Kosten für weltbestes Essen und allen anderen Sachen sehr niedrig. Dazu kommen unzählige Cafes die voll mit Internetschnorrern sind. Aber die sind genau dafür da. Einige sind quasi wie Coworking Spaces nur eben fast umsonst.



Aber nun zum Thema. Nach einer etwas ruhigeren Periode wollte ich in Sachen Produktivität mal wieder einen Gang hoch schalten. Das gute ist, ich musste nicht. Sprich ich konnte mal vollkommen anders ausprobieren wie man bzw. ich natürlicherweise arbeiten würde. Ein kurzer Selbstversuch quasi der die Lebensumstände simuliert, die man beim bedingungslosen Grundeinkommen hätte. Keinerlei Druck und auch definitiv mal genug Ruhezeit gehabt vorher.




Wir haben dann ein spontan erfundenes flexflow Organisationstool an unsere Tür geklebt um unsere Produktivität zu managen und zu messen. Für alle Dinge, die wir gerne machen wollen ein Zettelchen. Für jede Stunde oder jeden Block investierte Zeit gabs dann einen Strich. Und immer wenn wir genug geschlafen oder gegessen haben, wurde kurz vor der Tür überlegt welchen Zettel wir jetzt in die Mitte kleben. Das war dann der Fokus. Und wenn wir absolut kein Bock hatten was zu machen gab es zur Not immer die Lazy Wildcard. Ist ja eine der Hauptbefürchtungen der Kritiker des BGE, dass alle nur noch faul rumhängen würden.


Nun dem war nicht so. Wir haben in einem Monat recht viel erreicht und nur dreimal die Wildcard gezogen. In der Language Session haben wir uns „Learn Thai with Mod“ YouTube Videos angeschaut und dank meines klassischen Vokabelheft kann ich jetzt viele nützliche Phrasen Thailändisch und Koreanisch. Außerdem habe ich meinen englischen Wortschatz deutlich erweitert. Rückwirkend betrachtet habe ich auch erstaunlich viele Stunden gearbeitet und sogar angefangen programmieren zu lernen. Die meiste Zeit habe ich allerdings wirklich in mich investiert durch lesen, meditieren oder Physical-activity. Nur die YouTube Universität hat nicht so toll funktioniert wie ich mir das gewünscht habe. Es ist leider zu viel Schrott auf YouTube und irgendwie fehlen gute Qualitätssuchfilter.

Alles in allem war es aber ein grandios gelungenes Experiment. Die Zeit ist geflogen und wir haben es nicht bereut irgendwelche Touristenaktivitäten verpasst zu haben. Produktiv sein fühlt sich gut an wenn es vollkommen ohne Druck passiert und es funktioniert deutlich besser als sicher viele vermuten. Es ist aber auch noch deutlich weit von einer Vollzeitwoche entfernt. Inzwischen finde ich es etwas absurd wenn öffentlich von der Work-Life Balance gesprochen wird. Ich bin der Meinung die meisten Menschen sollten erstmal gesund ihr Leben managen. Das nimmt schon ziemlich viel Zeit in Anspruch, jedenfalls wenn man ein gutes will. Wenn dann einer sagt, dass man dafür ja aber erstmal Geld braucht sag ich, Blödsinn. Dieser Monat hat weit weniger als 600$ gekostet. Und die Alternative die viele Menschen leben lautet dann also kein Leben zu haben. Macht wenig Sinn. Es ist wohl meist die Unsicherheit vor dem ersten Schritt aus der gewohnten Welt herauszutreten.

Dienstag, 14. April 2015

Ausbildung zum Thai-Massage Experten

Das erste was ich in Bangkok gemacht habe als ich aus dem Flieger gestiegen bin war eine Thaimassage. Und seit über einem halben Jahr habe ich das dann genau jede Woche wiederholt. Sprich ich bin inzwischen ein Thai-Massagen Experte und würde jetzt gerne mal für dieses grandiose Stück Lebensqualität werben.



Im gestressten Westen gönnt man sich ja auch ab und zu mal ein paar Stunden Wellness. Aber bei den teuren 60-Minuten ist der Masseur entweder damit beschäftigt sich durch den Stahlbeton auf den Schultern zu kämpfen oder das Gefälle zwischen An- und Entspannung ist so groß dass man einschläft oder die 60-Minuten in sechs Minuten vorbei sind.

Bei meinem Lebensqualitätssteigerungsexperiment sind einige Dinge deutlich anders verlaufen. Zunächst einmal habe ich bei meinen über vierzig Massagen nie mehr als 300 Baht bezahlt. Was trotz des fallenden Euros immer noch weniger als 10€ sind. Und in den nicht Touristen Ecken ist die gleiche Qualität auch easy für die Hälfte zu haben. Das entspannt den gemeinhin geizigen Deutschen ja dann schon mal im Voraus.

Das beeindruckenste ist, dass ich ziemlich deutlich sagen kann, dass keine Massage gleich war. Thai-Massage ist hier so etwas wie eine alte Kunst und die Tradition ist so vielfältig wie seine Künstler. Und es gibt viele. Es gibt Straßen in Bangkok die haben glaube ich mehr Massagestudios als ganz Berlin. Und damit meine ich nicht die Straßen mit den pink/roten Schildern wo es Extraservice gibt. Von den Thais habe ich gelernt, die Massage nicht als so etwas selten Besonderes zu sehen, was man sich eben irgendwie nur mal zum Geburtstag schenken lässt. Nein es ist eher wie Zähne putzen und dadurch ebenfalls deutlich entspannter. Das regelmäßige erhöht die Qualität so ungemein da nicht zu viel Zeit mit Stahlbetonbohren verbracht wird und auch mal tiefer liegende subtile kleine Verspannungen angegangen werden. Und auch der Bausch des besonderen führt eher zu einer mentalen Anspannung ob der Masseur denn auch gut ist oder die einzelnen Handgriffe.

Aber nun zur Massage. Jede ist anders und ich kann auch deutlich sagen, dass einfach ALLE gut waren. Viele sehr gut und einige war so amazing, dass es eher an religiöse Erfahrung gleicht. Es kommt auch nicht so sehr auf das Massagestudio an, sondern eben den Masseur oder öfter Masseurin und deren Tagesform. Vormittags ist in der Regel besser. Und ich habe auch neben der traditionellen Thai Massage die anderen beiden Basisformen Fußmassage und Oilmassage im Wechsel ausprobiert. Fußmassagen werden meistens zu ganzen Beinmassagen und bei der Öl Variante gibt es tatsächlich ab und zu ein recht unverruchtes Happy End. Ein wichtiger Faktor ist auch die Region. Im Süden ist alles härter als im Norden. Die verrückteste und härteste Session hatte ich am Ao Nang Strand in der Krabi Province. Mo ist energisch, kreativ und kunstvoll auf mir rumgeturnt und hat die interessantesten Schwachstellen gefunden. Die befreienden Schmerzen haben ihr sogar deutlich mehr Freude bereitet als mir. Im Gegensatz dazu hat mal in Bangkok eine Lady auf meinem Rücken telefoniert. War aber trotzdem erstaunlich gut.

Dass es eine unglaublich vielfältige Technik ist, habe ich dann in einem Gesundheitshaus (das Thailändische Gegenteil von Krankenhaus) deutlich verstanden. Es waren wie gesagt ALLE Massagen anders. Aber in dieser öffentlichen Einrichtung hatte ich dann das Glück zwei Stunden vom Oberlehrer bearbeitet zu werden. Ich glaube die haben beim Vorcheckup gemerkt dass er bei mir anspruchsvollere Sachen ausprobieren konnte. Er lachte dann auch herzhaft als ich beneinte ob ich irgendwo „Probleme“ habe. Er hat wie ein Spürhund Ecken gefunden die man sonst nur vom Yogamuskelkater kennt. Und die wurden dann bearbeitet. Irgendwer meinte zu mir auch mal die Thai-Massage sei Yoga für faule, was ich jetzt verstanden habe und grandios finde.

Zwischenzeitlich war ich auch mal länger auf Bali und konnte die dort traditionelle Balinese-Massage vergleichen. Eine tolle Mischung aus den mechanisch technischen Griffen der Thaimassage und dem entspannendem Flow der Oil-Massage. Aber je nach Laune und Verfassung bevorzuge ich Thailand. Mit einer Oil-Massage die eher für Westler ist kommt man sanft vom Minus in Richtung Plus. Mit der Thai-Massage kommt man vom Plus in ein noch viel größeres Plus. Für Leute im Minus, sprich mit Stahlbetonschultern, kann es aber durchaus grauenvoll sein. Der meditativ Schmerz annehmend und loslassende asiatische Ansatz ist eben doch ein starker Gegensatz zum Westler, der sich bei Spannungsschmerzen einfach noch doller anspannt und die Luft anhält. Diese Metapher lässt sich auch gerne auf ca. alle Lebenslagen und Philosophien übertragen.

Wer genauer Empfehlungen haben will wo es die besten Spots und Places in Thailand gibt kann mich gerne via Twitter oder in den Kommentaren fragen. Ich bin deutlich zu faul eine idiotensichere Liste zu erstellen. Probiert es einfach oft und mit mentaler Leichtigkeit aus. Es ist sein Geld sowas von wert und hat meine Lebensqualität enorm erhöht. Kaum zu glauben, dass immer noch so viele Menschen ähnlich viel Geld für Zigaretten oder sowas ausgeben. Life is soo good. Invest in its quality.

Fortsetzung Mai 2016: Meister des Massiert-werden

Freitag, 31. Oktober 2014

Top 5 Drivers of Change in my Life

Wie wird man wer man ist. Und wie verändert man sich. Ich konnte für mich fünf wichtige und entscheidende Dinge ausmachen, die ich einfach mal aufschreiben wollte. Vieleicht hilft es ja dem ein oder anderem auch aktiv etwas zu verändern.

Die fünf Dinge sind nicht nach Wichtigkeit sortiert sondern chronologisch. Und es sind auch nicht die fünf besten oder fünf wichtigsten Dinge in meinem Leben. Es sind die Dinge die am meisten verändert haben.

Family / Feierei / Fly / Frau / Feel

1. Meine Kindheit inklusive Familie und Schule. Die ersten Jahre des Lebens sind die prägentsten. Ich denke das ist bei jedem so. Der Einfluss der Eltern, der schon vor der Geburt beginnt. Und zwar nicht nur über die Gene sondern eben auch was die Eltern unterbewusst weitergeben. Wenn eine schwangere Angst hat bekommt das Baby den chemischen Cocktail den das Gehirn dann ausschüttet durch den Nabelschnur mit. Wenn die Mutter angespannt ist, ist das Baby sicher nicht entspannt. Und meine Eltern hatten sich vor "mir" schonmal getrennt, dann aber wieder zusammen gerauft. All diese Sachen haben einen entscheidenden Einfluss auf mich. Wissenschaftler sagen, dass die ersten sechs Jahre ziemlich weichenstellend sind. Und es kommt auf die Vorraussetzungen an. Ich bin ziemlich glücklich, dass ich in einem hochentwickeltem Land, mit Frieden und Demokratie aufwachsen konnte. Mit einer klassischen Familie a la Mama, Papa, große Schwester und Hund. Die üblichen Hochs und Tiefs aber nie Gewalt, Hunger oder andere lebensbedrohliche Sachen. Und als Mittelschichtkind auch mit dem Zugang zu Bildung. Auch wenn ich das Bildungssystem intuitiv idiotisch fand und mit allen Mitteln rebelliert habe, hat mich die Schulzeit entscheidend geprägt. Und damit meine ich wie gesagt nicht nur positiv. Rückblickend war Schule, Lehrer und der rüde Umgang mit anderen eine unschöne Zeit. Aber alles was da passiert ist, war wichtig.

2. Meine Pubertät inklusive Alkohol und Musik. Anschließend natürlich die schwierigste aller Veränderungen. Diese Zeit war bei mir durchdrungen von viel Alkohol und viel Musik. Und zwar mit allen positiven und negativen Grenzgebieten. Ich will keineswegs Werbung für Alkohol machen denn für meinen Körper war diese Zeit sicher nicht schön. Aber ich hatte viel Spaß. Ich habe gelebt und extreme Erfahrungen gemacht. Gefeiert ohne Ende. Das Pleasure Glück gejagt wie ein wahnsinniger. Rückwirkend wissend, dass es auch eine Ablenkung war. Aber eine die ich nicht missen möchte, denn "Pleasure" ist die niedrigste Stufe des Glücks die man meines Erachtens gehen sollte um auch die nächsten Stufen gehen zu können. Ich habe immer übertrieben und das ist auch gut so. Dann jetzt bin ich damit durch. Und die Musik war mein Begleiter. Sie hat mich so viel fühlen lassen und angetrieben. Ich habe damals die 100 besten DJs der Welt (laut DJ-Mag) gejagt. 2004 kam ich glaube ich auf 74 von denen ich mindestens ein Liveset gehört habe. Unzählige Raves in Holland, England, Polen, Belgien, Techno Feierei in Schland, sieben Sommer auf Ibiza, die heißeste Zeit on earth in allen Berliner Clubs, and so on. All diese ekstatischen Momente auf der Glückswelle zu fliegen. That changed me.

3. Eine weitere Sache die mich stark verändert hat, mich momentan verändert und hoffentlich auch in Zukunft verändern wird ist das Lernen. Und zwar größtenteils durch Bücher und Reisen. Ich habe mal fünf tolle Kurzfilme hintereinander gesehen die alle eine tolle Message hatten. Leider kann ich mich nicht mehr an sie erinnern. Bei Büchern ist das anders. Es ist schwer ein Buch an einem Tag zu lesen. Und das ist auch gut so weil das gelesene über Nacht tatsächlich vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis sickert. Seit ich 18 bin lese ich permanent und ununterbrochen immer ein Buch. Als Legastheniker fällt mir das zwar immernoch schwer und macht keinen Spaß. Aber ich liebe die Veränderungen die neue, andere, größere, bessere Sichtweisen und Argumente in mir hervorrufen. Und durch das Reisen kommt das lernen auf der Erfahrungsebene hinzu. Es verändert sich nicht nur der Geist sondern alle Sinne werden angesprochen. Je mehr neues desto besser für mich. Ich habe über ein halbes Jahr in der Chinesischen Provinz Sichuan gelebt nur weil ich den absoluten Kulturschock wollte. Ein weiteres Halbjahr am anderen Ende der Welt in Chile. Viele die mich kennen meinen ich habe schon viel gesehen. Aber ich war erst in 28 Ländern dieser Erde. Es gibt noch so viel mehr zu lernen von anderen Menschen, Kulturen und Ländern. Und es sind nicht nur die Oberflächen der Kultur wie Sprache und Essen. Sondern eben auch die Werte die dahinter liegen. Die oft sehr unterschiedlich sind, manchmal aber auch genau gleich. I love this Change.

4. Meine Frau. Einer der ersten Science Fiction Autoren von dem Ich Neuromancer gelesen habe, sprach von Kommunikationssträngen. Die kann man sich vorstellen wie Telefonkabel durch die Informationen übertragen werden. Am einen Ende zerkleinert in Daten. Und diese Kabel werden dicker und leistungsfähiger. Dank Glasfaser kommunizieren mehr Menschen mehr miteinander. Mehr Informationen. Und die Kabel werden dicker und dicker. Aber die höchste Übertragungssrate die bis dato noch keine Technik hinbekommen hat ist eben der direkte Kontakt. Kommunikation auf allen Ebenen, nicht nur der sprachlichen. Austausch von Informationen. Vielen Informationen. In einer Ehe sind das aufgrund der vielen Zeit die man mit dem anderen verbringt täglich viele Informationen. Und in einer guten Ehe sind es viele gute und nützliche Informationen. Vor allem über einen selbst. Sowas wie ein Spiegel mit personal-live-coach Funktion. Jedenfalls solange man sich nicht verheddert.
Aber die Gefahr ist bei Edelgasen zum Glück geringer. Ein Quantenphysiker aus Stanford hat mal Elemente und deren atomare Zusammensetzung mit menschlichen Beziehungen verglichen. Normalerweise hat jedes Atom eine fixe Anzahl von kleineren Teilchen die um den Kern schwingen. Im ersten Kreis drei, im zweiten fünf, im dritten acht usw. Wenn der äußere Kern allerdings unvollständig ist, was fast immer der Fall ist, schwingt das Atom mit einer Unwucht durchs Universum bis es an ein anderes Atom andockt welches die fehlende Anzahl von Teilchen im äußeren Kreis hat. Als z.B. sieben und eins jeweils im dritten Kreis. Die haben dann zusammen keine Unwucht und bilden das Element Wasser. Durch diese limitierte Anzahl von Kombinationen entstehen alle Elemente im Periodensystem. Fast alle. Außer Edelgase wie z.B. Helium oder Neon. Dessen Atome sind im äußeren Kreis einfach vollständig und brauchen keinen „Partner“. Aber wenn Sie einen bekommen wird’s krass. So haben Wissenschaftler z.B. Laser entdeckt, indem Sie Edelgasatome zusammengeführt haben. Die Zeit mit meinem Edelgaspartner war intensiv und als Team ein Laser zu sein hat mich sehr stark verändert. Und ich bin froh, dass mit dem Alter die positiven Veränderungen überhand nehmen.

5. Meditation. Als ich im Alter von 28 meinen dritten Nierenstein in drei Jahren hatte war es genug. Viele fangen ja erst mit Krebs an auf ihren Körper zu hören und merken auf dem Sterbebett was wirklich wichtig ist. Damit wollte ich dann doch etwas früher anfangen. Und ich hatte Dank Jacomo Fritzsche auch schon begonnen. Er hatte mir das brillante Buch über die MBSR Kurse bei Google geschenkt und ein paar MP3-Audioguides gegeben. Wie viele,hatte ich am Anfang Probleme meinen Körper zu spüren oder „nicht zu denken“. Aber ein paar Tage nach dem Nierenstein bekam ich ein klares Zeichen. Während einer einstündigen persönlich angeleiteten Meditation hat meine Niere tatsächlich vor Freude vibriert. Und zwar beeindruckend doll. Letztes Jahr habe ich dann immer mehr geübt. Öfter, länger und mit unterschiedlichen Techniken. Nicht weil ich Spaß am Üben hatte oder große Erwartungen. Und auch nicht weil ich spiritueller geworden bin oder gar religiös. Sondern eher weil die Argumente der neuesten neurowissenschaftlichen Ergebnisse mich überzeugt haben. Die Hirnforscher haben tausende Menschen untersucht und diejenigen mit der meisten Meditationserfahrung konnten am besten mit ihrem Gehirn umgehen. Und das ist irgendwie auch nicht weiter überraschend denn Übung macht den Meister. Genau wie man eine Sprache oder Klavier spielen ja auch nicht in einer Stunde lernt. Man lernt es in zehntausend Stunden bis man richtig gut ist. Und man lernt es auch nicht nebenbei wie die Leute die sagen „Joggen ist meine Meditation“ oder „Gartenarbeit ist mein Yoga“. Das durchschnittliche westliche Gehirn ist ganz platt und pauschal gesagt zu rechtslastig, zu unbewusst und zu Yang. Ich erkläre jetzt hier nicht wie das Gehirn funktioniert. Es geht mir nur darum eines der elementarsen und wichtigsten Teile von uns selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Unser Gehirn steuert alles, denkt alles und entscheidet alles. Wäre doch cool es optimal zu nutzen. Also rechte UND linke Hälfte. Mehr als 5% bewusst und nicht immer 95% Autopilot. Und von den täglich 60.000 Gedanken die sich mit nutzlosen Zukunftsplänen und unveränderbaren Vergangenheitswiederholungen beschäftigen, können wir weit über die Hälfte wegschmeißen. Die meisten Gedanken hatten wir nämlich gestern eh schon. Und ich will damit nicht sagen, dass wir aufhören sollen Ziele und große Pläne zu haben. Und auch nicht aufhören die Vergangenheit zu reflektieren. Aber der Großteil ist wirklich banaler nutzloser Schrott der aussortiert werden kann und die Zeit und Rechenleistung des Gehirns tausche ich gerne ein. Und zwar gegen Momente in der Gegenwart. In dem Vipassana Center in dem ich war, war das Symbol ein Wagenrad. Normalerweise dreht es sich in die eine Richtung. Und zwar das unsere Gedanken, Gefühle und Emotionen uns kontrollieren. Meditation ist eine Technik genau das umzukehren.
Seit dem Jahreswechsel in Costa Rica meditiere ich jeden Tag und seit ich in Thailand bin jeden Tag mehr als eine Stunde. Und wenn ich zurück blicke hat es mich in relativ kurzer Zeit sehr stark verändert und zwar ausschließlich zum Positiven. Es wäre zu lang all die positiven Effekte aufzuzählen und würde evtl auch nur hinderliche Erwartungen bei anderen wecken. Verstehen können andere des eh nicht mit Worten, sondern nur durchs ausprobieren. Und damit meine ich eher Wochen als Stunden.

Die überraschend deutliche und positive Veränderung nach nur ca. einem Jahr war es auch die mich zu diesem Blog gebracht hat. Denn die tieferliegende Erkenntnis ist, dass alle fünf Veränderungen zwar stark sind, aber die letzteren sind primär positiv und in meiner Hand. Ich nehme niemanden mehr ernst der mit der Zeit aufgibt und mit dem Alter keine Veränderungen mehr akzeptiert. 100% des Körpers inklusive aller Gehirnzellen hat sich spätesten nach sieben Jahren vollkommen erneuert. Und das gilt theoretisch auch zwischen 60 und 67. Ob es praktisch angewendet wird ist allein unsere Entscheidung. Nichts hat Bestand außer der Wandel und das der HSV in der ersten Liga bleibt. Also Change yourlife!