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Montag, 10. November 2014

Southern Myanmar Kulturschock



Ich kann nicht genau sagen warum ich hin wollte, aber die Tatsache, dass der Süden von Burma seit ca. einem Jahr endlich für Ausländer bereist werden durfte, reizte mich. Und die Überlandgrenze von Bangkok nach Dawei war auch neu und offen. Also habe ich ein Visum beantragt was in der Berliner Botschaft ein fast familiäres und schnelles Unterfangen ist. 

instagram.com/elricex
 
Von Bangkok kommt man easy nach Kanchanaburi, zum Beispiel mit dem Zug. Ich war noch eine Woche in der Region um Kanchanaburi die ziemlich schön und entspannt ist. Dann wollte ich zur neuen Überlandgrenze. Da es allerdings noch fast keine Reiseinfos zu Südmyanmar gibt wollte ich auch diesen Blog schreiben. Zuerst muss man einen Bus von Kanchanaburi nach Puh Nam Ron nehmen. Allerdings gibt es zwei Orte mit dem Namen und auch zwei Busse. Ich habe den falschen um 10:15 für 65 Baht genommen. Ihr müsst den um 10:30 für 70 Baht nehmen und idealerweise Ban Puh Nam Ron (Dawei Myanmar) sagen. Der tuckert dann bis zum Grenzposten und wird auf dem Weg immer leerer. Am Ende haben lediglich drei Personen die Grenze überquert. Auf der anderen Seite muss man dann auch nicht mehr die 6km Niemandsland mit dem Motorrad zurücklegen. Minivans die einen nach Dawei fahren warten schon und kosten 800 Baht. Die Strecke ist wirklich der Hammer, da sechs Stunden untouched hügeliger Dschungel. Allerdings auch ca. sechs Mal den Pass zeigen. Google Maps Koordinaten für die Grenze sind N13.92140 E99.06219 bzw. hier

In Dawei gibt es genug Hotels und Guesthouses. Gute Anlaufstelle für alle Fragen ist Andre der die Seite SouthernMyanmar.com betreibt. Macht eine Tour mit ihm, er kennt sich aus. Ich bin allerdings schon ein paar Tage alleine durch die Stadt gelaufen und hatte eher keine Lust auf Toure. Stattdessen war ich mit ein paar Burmesen auf der neuen DaweiGolfDrivingRange (100 Bälle für 2$ inklusive Ballauflegerin) und Tischtennis spielen. Die Burmesen sind jeweils ziemlich gut. Jeder auf der Straße grüßt einen und man merkt, dass hier noch nicht viele Ausländer waren. Alle freuen sich und lächeln ehrlich. Es gibt auch einen ATM bei der KBZ Bank damit ihr nicht das übliche Old-Dollar-Problem habt.

more Pics: http://bit.ly/1zknMLp

 Ich bin dann für 8.000 Kyat nach Maungmagan gefahren. Der einzige Strandort in Südmyanmar wo man als Ausländer auch übernachten darf. Da Guesthouses dort unten überall selten sind, sind die Preise für Südostasien leider etwas teurer (ca. 20 Dollar). Aber wer Ruhe will ist da genau richtig. Der Strand ist schön, groß und fast keine Touristen. Wenn dann Locals. Aber wenn man z.B. weiter nach links geht ist man in einer anderen Welt. Man muss durch zwei Flüsse durchlaufen und dann ist man in einem Fischerdorf am Ende der Zivilisation. Schön ist es in dieser unterentwickelten Ecke der Welt nicht. Aber die Leute freuen sich so unendlich krass jeden Besucher zu empfangen. Das es solche Orte noch gibt finde ich wertvoll und faszinierend. Und ein heißer Tipp, ein paar Stunden nach den dramatischen Sonnenuntergängen kann man im Badewannen warmen Wasser leuchtendes Plankton sehen. Das ist wirklich magisch wie ein Elektronenanzug.

Ich hatte dann noch das Glück zu dem Vollmond, der das Ende der Regenzeit einleitet, da zu sein. Das ist nämlich eines der wichtigsten Buddhistischen Feste überhaupt und die ganze Woche vor dem Vollmond (in dem Fall Ende Oktober/Anfang November) war nochmal extra magisch. Es ist eine absurde Mischung aus blinkendem Oktoberfest auf dem Gelände der größten Pagode und Loveparade. Denn die ganze Zeit fahren kleine und große Wagen kreuz und quer durch die Stadt. Voll mit LEDs und unterschiedlicher lauter Musik und exotistisch tanzenden Schönheiten. Zum Höhepunkt sind dann 3.000 Mönche durch die Straßen marschiert und ein Feuerwerk mit 5.000 Raketen wurde gezündet. Und das ganze absurde Spektakel steht dann unter Buddhas Fahne. Als einziger Ausländer musste ich natürlich viele Fotos mit Burmesen machen, für die ich wiederum das Highlight war.

Ähnlich aber ruhiger ging es dann weiter südlich in Myeik weiter. Die größere und dreckigere Hafenstadt hab ich mit einer extrem kalten Nachtfähre erreicht. Myeik fand ich noch beeindruckender weil es irgendwie noch abgeschnittener ist. Wenn ihr glück habt trefft ihr 007 am Pier. Einer der wenigen Menschen die in Südburma überhaupt gutes English sprechen. Er und seine Familie haben mich rumgefahren und die absurdesten Sachen gezeigt, zu großen Essensfesten eingeladen und obwohl ich ihm nur ein paar Dollar für die Tage geben hatte, hat er mir am letzten Tag sogar Frühstück ins fast ablegende Boot gebracht. Ehrliche Freude und ehrliche Freundlichkeit at it´s best. Aber das Highlight war der Wundermönch. Ich habe James (007) von meinem Nierenstein erzählt. Er wiederum hat chinesische Medizin studiert und meinte zwei Stunden südlich von Myeik gibt es ein Kloster in dem ein Mönch schon alle möglichen Krankheiten geheilt hat. Da sind wir dann mit dem übelsten Schrottbus hin. Und auch hier wurde ich natürlich wieder zum voll gedeckten Tisch eingeladen weil ich wohl ein VVIP sei. Der extrem charismatische Mönch der etwas später eintraf hat mir dann salzig/erdige Kapseln geschenkt. Ich berichte später mal ob sie was bringen. Aber er meinte nur ich sei der erste Ausländer ÜBERHAUPT der an diesem Ort war und sich deshalb alle sehr freuen, dass ich da war. In Myeik waren an dem Abend dann auch wieder Paraden, allerdings etwas ruhiger, was mir besser gefiel. Ich habe mir die vorbeifahrenden Wagen mit einer kleinen Burmesischen Familie angeschaut und meinem Lieblingswagen mit dem blinkenden Pfau dann auch fürs gute Karma was gespendet. 

Zum Abschluss habe ich dann noch die Fähre zum Victoria Point genommen. Der südlichste Zipfel von Burma und der sechs Stunden Törn führt durch das unfassbare Megui Archipel. Tausende unberührte Inseln in der Andaman See. Auf diesen hunderten von Kilometern voller paradiesischer Natur gibt es wohl nur ein einziges Hotel. Aber falls jemand auf die Inseln will schickt mir ein DM via Twitter. Es ist zwar offiziell nicht erlaubt aber trotzdem relativ günstig möglich und unique. Wie unglaublich wertvoll, dass solche Abenteuer auf unserem vollen Planten noch möglich sind. Die Ausreise nach Ranong (Thailand) war dann gar kein Problem. Südmyanmar ist magisch, arm, dreckig und voller goldenem Lächeln. Es ist die schönste Hölle auf Erden. Falls jemand Fragen hat, gerne via Twitter oder Kommentar an mich wenden.