Mittwoch, 24. August 2016

Mööööt

Das achte Kapitel vom Rice Newsletter Projekt vom 24. August 2006. Alle Newsletter könnt ihr unter diesem Blogartikel via Paypal kaufen. Alle veröffentlichten Kapitel findet ihr hier.

Nicht das erste mal, aber das erste mal bewusst wurde mir mein Achterbahnleben, als wiedermal alles zusammenbrach. Wie ich jetzt weiß, wird das auch noch etliche male passieren, aber genau diese extreme Achterbahn ist es die ich will. Ich will die Momente ganz oben und ich weiß, das ich dafür bezahlen muss. Ich muss bezahlen indem ich auch die Taalfahrten mitmache. Hier haben wir eine davon und es war eine schreckliche Zeit. Man stelle sich also diesen unglaublichen Sommer vor, den ich natürlich noch verlängern wollte und sitzt dann sehr viele Wochen auf diesen Inseln gefangen und ist vollkommen machtlos. Hauptauslöser war dieser seltsame Tag mit den vielen unlösbaren Problemen. Die finanzielle Lage meiner Firma war zum kotzen und wir hielten uns seit Wochen mit der monatlichen Ausschöpfung des Kreditkartenlimits über Wasser. Eine Deutsche Bank Filiale auf Malle hilft einem auch nicht viel weiter wenn man lediglich den Wunsch hat Bargeld auf ein Deutsche Bank Konto einzuzahlen. Das dauert drei Besuche zu je drei Stunden und unendlich Nerven und die Transaktion dauert lediglich drei Wochen. Das führt dann dazu dass alle möglichen laufenden Kosten gesperrt werden und man keine emails mehr schreiben kann. Ich reiß mir den Arsch auf um bei einer schrecklich langsamen Internetverbindung meine 24er Pünktlichkeit zu bewahren und kein Arsch liest den Letter. Das sind alles nicht die wahren Probleme, sie verstärken nur das extreme Gefühl wenn folgendes passiert. Ohne das ich mein Handy berühre ruft es meinen Vater an. Nachdem ich dreimal auf abbrechen gedrückt habe ist er schneller und geht ran. Mit rauschender Verbindung sage ich das ich gar nicht anrufen wollte aber das macht nichts, denn er hatte Infos für mich. Er hat soeben Silvie zum Bahnhof gebracht weil sie sich getrennt haben. Was bedeutet das wir die Firma in Polen nicht mehr weiterführen und nebenbei erwähnt er mit seinem schwarzen Humor das ja sowieso wahrscheinlich der Tumor im Hals zurück ist. Dann bricht die Verbindung ab. Ich will die Geschichte nicht zu ausführlich erzählen und sonst liegt mir auch nicht soviel dran Mitleid zu bekommen, ich will nur so kurz wie Möglich klar machen das mich in einer fünffachen Zwickmühle befand und nicht mehr so recht weiter wusste, aber das schlimmste war mein Umfeld. Ich war nicht mehr im 36er Kreuzberg sondern im 24er Sommerwunderland mit sehr viel Champagner, Sonne und köstlichem Essen. Ich hab Salzwasser im Blut und liebe meine Hamburger Freunde, aber in diesen Tagen hat mich dieses Umfeld zum Wahnsinn getrieben. 

Vielleicht ist es mein Problem das ich nicht all zu viel und mit jedem über alles kommuniziere und so habe ich auch die Schwierigkeit meiner Situation im engen Kreis belassen. Aber die Werte von Höflichkeit und Respekt die für mich normal sind, sind meistens zu hoch angelegt. Ich bin halt der Meinung das man von vornherein sehr vorsichtig umgehen sollte mit den Dingen die man sagt, denn im Nachhinein zu sagen "oh Entschuldigung das habe ich nicht gewusst" zählt für mein Gefühl nicht. Ohne zu wissen kann man immer eine Bandbreite von Dingen als möglich einstufen. Um konkret zu werden wenn jemand neben mir raucht will ich ihn nicht mit meiner traurigen Geschichte volllallen, dass wegen diesem scheiß Krebs Tumor mein Vater seine gute Arbeit aufgeben musste und diese scheiß Versicherungen Chemotherapiepatienten mit allen Mitteln rausdrücken wollen. Wenn man dann nach finanzieller und seelischer Pleite endlich wieder einen Fuß auf den Boden gestellt hat und der dann erneut weggetrümmert wird, wird’s nur noch härter. Aber wie gesagt, dass will ich ja gar nicht erzählen, ich will nur darauf hinaus das dieser verdammte Arsch der neben mir raucht mir eine passive Körperverletztung zufügt, sondern mich auch mit jedem scheiß Zug an diese reale Geschichte in der ich mich grade befinde erinnert. Das sind langsame schmerzhafte Dolche die er mir in die Schläfe bohrt. Und ich platze vor Wut weil meine Werte es mir verbieten ihm das in die Fresse zu sagen, nein ich kenne die Regeln der Höflichkeit und weiß das ich auch auf unhöfliches Verhalten stets höfflich reagiere. Und ich würde ihm seine Würde stehlen wenn ich ihn für so dumm halte das er diesen Umstand von vornherein für vollkommen unwahrscheinlich hält. Er ist nicht unwahrscheinlich und auch nicht abwegig.

Ich brauche niemandem zu erklären das Rauchen asozial ist. So sieht es jedenfalls als Ideal in meinem Kopf aus, und das die Praxis mir natürlich wieder das Gegenteil beweist wird nichts daran ändern das bei mir der Krieg aufhört. Wir brauchen Regeln damit der Krieg aufhört und damit meine ich nicht den Krieg zwischen den Ländern. Länder führen Kriege weil Menschen Kriege führen und oft haben die Länder dabei auch den Charakter von Menschen. Und wenn ich von Krieg der Menschen spreche meine ich auch nicht diese ganze Waffenhollywoodscheiße. Ich meine schreckliche verbale und soziale Gewallt die allein mit Worten das schlimmste anrichtet. Die schrecklichsten Kriege sind die in den Kindergärten und Grundschulen, wo die Sozialisation jeder Natürlichkeit mit voller Wucht in die Fresse schlägt. Wenn ich den kleinsten und ersten Anzeichen von Gewalt und übertriebener Emotion in Gespräche genau dies ansprechen möchte klingt dies für andere Ohren stark übertrieben. Aber diese Person die verbale Gewalt austeilt hat sie auch irgendwo her und sie wird sich weiter fortpflanzen. Der eine kritisiert den anderen ohne dabei sensibel die Feedback Regeln einzuhalten, der andere wird dann sauer und lässt seine Wut verbal an einem dritten aus. Der beleidigt dann einen vierte, und der vierte schlägt seine Kinder. Die Kinder schlagen in der Schule die anderen und finden diese Macht dann auch noch geil. Am Ende wird eines dieser Kinder ein Führer und tötet Millionen. Klingt zu einfach? Ist es auch, aber grob ist sicherlich etwas dran und daher befürworte ich Regeln. 

Und damit kommen wir zu einem Thema welches wohl nie zu Ende diskutiert wird. Aber ich stelle hier den überholten zehn Geboten, die eh nicht funktionieren mal meine Zehnerliste vor, die mit Punkt elf sich sogar ganz bewusst selbst in Frage stellt. Diese Liste ist ziemlich spontan aus eben genau dieser geschilderten Vorgeschichte herausgekommen und ich wende sie noch Jahre später gerne an. Aber die Tatsache, dass ich die Struktur des Newsletter auf einmal so extrem so stark verändere sagt noch eine andere Sache voraus, welche sich ebenfalls in der Liste wiederfindet. Ich mache nämlich eines der Probleme deutlich welches ich bereits erwähnt habe. Eine der wenigen erfolgreichen Strategien um Kritik in die Masse zu tragen ist, sie mit Humor zu tarnen. Aber ich denke jeder der in diesem Bereich tätig ist, wird an den Punkt kommen oder ist ständig an dem Punkt sich zu fragen ob es überhaupt was bringt. Ja wunderbar wir haben es bis in die masse geschafft und weiter? Wenn keiner die fast offensichtliche Kritik annimmt und umsetzt sondern lediglich immer noch drüber lacht, ja dann ist die ganze Sache vollkommen sinnlos. Ist es denn zu viel verlangt die Leute zum Lachen zu bringen und als kleinen Dank zu hoffen, dass sie nach dem Lachen nur eine Sekunde nachdenken. Ich denke in einer verschwindend kleinen Wahrscheinlichkeit hat diese Strategie trotzdem Erfolg. Und zum Glück machen die Kritiker ja auch weiter, aber zu diesen Weltverbesserern ohne Optimismus sollte ich noch lange nicht zugehören. Ich habe mich furchtbar aufgeregt und wollte wie gesagt vom lustigen Grundschullehrer zum trockenem Fakten Dozent werden. Das der genauso wenig Erfolg hat ist mir auch klar, aber die Erfahrung musste ich dann hier also erst machen. bevor ich aber zu der Liste komme möchte ich noch kurz erläutern warum ich alle meine oben beschriebenen Probleme in das Mäntelchen dieses Europa Problems packe. Das ist noch ein weiteres kleines Thema was mich manchmal zu Tode aufregt. Ich bin ein absoluter Befürworter von diesem ganzen europapolitischen Sachen und ich knutsche jede Euro Münze. Aber wie kann es verdammt noch mal angehen das ein Handygespräch von Berlin nach Breslau teurer ist als nach München obwohl München weiter weg ist und sowieso alles über Satelliten läuft. Und wieso ist eine Verkehrsverbindung von Hamburg nach Amsterdam schwerer als nach Frankfurt. Weil diese schrecklich dummen Kommunikationsunternehmen und die Bahn die Grenzen in den Köpfen weiterhin nutzen und somit eine schnellere Entwicklung verhindern. Ich bitte da doch einige Unternehmen den stark überwiegenden Vorteil eines europaweiten Informationsaustauschs zu erkennen ansonsten bitte ich Brüssel schnellst möglich einen weiteren 5000 Seiten dicken Wälzer zu erstellen der das regelt. Aber solche unwichtigen Dinge nur am Rande, jetzt erkläre ich schließlich die neuen zehn Gebote. Wenn jemand Verbesserungsvorschläge oder gar eine ganz andere Liste hat , freue ich mich über jedes Feedback.



1. Scheinrealität (GZSZ) nicht auf Realität beziehen oder gar kopieren:

Das nie endende leidige Thema welches mich am meisten nervt. Ich hatte schon immer das Gefühl mein Liebe ist ihr ganzes Leben lang in einer Seifenoper gefangen. Damit immer alles spannend bleibt und es nie langweilig wird, muss eine Sensation auf die nächste folgen. Ähnlich wie bei dem bereits erwähnten Disco Boys Set ist das in der Musik genau so schrecklich wie im echtem Leben. Mein ebenfalls bereits erwähnter English Lehrer hat es mal ganz lustig auf den Punkt gebracht als er behauptete die Drehbücher von Seifenopern werden von Computern geschrieben. Man füttere ihn lediglich mit einigen Personen, fügt alle möglichen Ereignisse eines Durschnittslebens in einen Topf, rührt das mit unwichtigen Informationen wie Ort und Zeit um und raus kommt eine schreckliche Brühe von Geschichte. Die Frau von dem einen ist gleichzeitig seine Tochter und hatte, nachdem sie eine Querschnittlähmung hatte die Möglichkeit olympisches Gold zu gewinnen, aber dann wurde ihr Hund, der eigentlich ein Alien ist, mit ihrer Tochter, die gleichzeitig ihre Schwester ist ein Affäre. Danach starben oder heirateten alle und die Werbeblöcke sind gefüllt. Dies fast lustige bescheuerte Tatsache allein soll mir jedoch egal sein, schlimm wird es erst wenn zu viele Leute auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung zu lange vor der Idiotenkiste sitzen ohne zu merken das es sich bei diesem Schwachsinn nicht um die Realität handelt. Aber für einige ist es oft leider zu spät und sie haben die Realität bereits mit dieser vorservierten Scheinrealität vermischt. Und das was ich am beängstigensten finde ist, dass diese Scheinrealität durch ihre unwissenden Kopien tatsächlich Realität wird. Eine fürchterliche Tatsache die ich aber leider erst nach dem Aufstellen dieser Regel erkannt habe. Warum diese Regel auf Nummer eins ist weiß ich nicht mehr, es soll hier auch keine Rangfolge dargestellt werden, aber ich glaube der Verantwortliche für den nächsten Newslettertitel hat sicher einiges zu dieser Regel beigetragen.

2. Versuchen Feedbackregeln einzuhalten (wenn nicht bekannt, mich fragen). Kritik sollte kein Angriff sein:

Ja hier spiegeln sich die hervorragenden Soft Skill Kurse der FHW wieder. Im Seminar für Stärken- Schwächen Analyse wurde uns detailliert die Kunst des Kritisierens beigebracht. Aber selbst da hat es nicht den Hauch von Angriff verloren, den Kritik leider immer mit sich rumschleppt. Diese Regel ist unheimlich schwer zu befolgen aber es besteht noch einiger Nachholbedarf beim Umgang mit Ratschlägen. Immer schön vorher fragen ob Feedback überhaupt erwünscht ist. Übertrieben weich formulieren und immer auch ein paar positive Bemerkungen untermischen. Bloß jegliche Emotionen vermeiden und ruhig in kleineren Gruppen sprechen, man könnte ja sonst das Gesicht verlieren. Bloß nicht besserwisserisch klingen was ja in vielen Fällen offensichtlich unvermeidbar ist und wenn man das Geschenk der Kritik erhält, immer schön danke sagen und niemals sofort reagieren. Selbst wenn man die Argumente schon hundert mal gehört hat, ist es immer besser einen kleinen zeitlichen Abstand zu gewinnen und es reicht vollkommen aus, wenn einem die passende Antwort abends im Bett einfällt. Man hat sie schließlich fürs nächste mal parat. Ich will dieses Sozialkompetenzseminar nicht weiter fortführen denn dafür gibt es andere Bücher.

3. Mindestens so oft selbstkritisch sein, wie man andere kritisiert:

Ja den hier finde ich sehr gelungen, habt ihr das schon mal irgendwo gelesen. Ich glaub nicht und meistens bin ich derjenige der diesen Punkt am wenigsten einhält. Im Gegensatz zu vielen anderen stelle ich mich selbst ziemlich oft in Frage, aber ungefähr zehn Mal mehr kritisiere ich Menschen, Systeme, Politik, Kirche, Essen, Wetter und die Kritik selber. Kannte aber nie jemanden der irgendetwas gegen diese Regel vorbringen konnte. Nun Selbstkritik ist nicht grade die objektivste weshalb man aber trotzdem nicht auf sie verzichten sollte. Ich freue mich also auf die Kritiker die mir sagen das diesen Gedanken schon so und so viele andere Leute hatten und ihn wohl auch besser formuliert oder weiter verbreitet haben. Nur haben diese Kritiker dann ziemlich viel mit sich selbst zu tun wenn sie die Regel hier mal befolgen würden. Einigen würde ich es sogar abraten weil in Extremfällen der Rückweg aus einer Lebensillusion zerschmetternd wirken kann. Aber Lösung für dieses Problem bietet zum Beispiel die nächste Regel.

4. Innovativ sein, andere Dinge ausprobieren:

Das brauch ich nicht lange zu erklären, denn was das Gegenteil von konservativ ist wissen wir alle. Aber welche Schwierigkeiten auch bei der Umsetzung dieser Regel auftreten werde ich noch ein bisschen mehr erzählen. So lässt sich glaube ich nicht so einfach in liberal und konservativ aufteilen. Einer meiner Grenzfälle brachte selbst mich an einen Moment wo ich keine Lust mehr auf Veränderungen hatte und ich kann genug Leute aufzählen die sich zu der einen Seite bekennen aber zu der anderen gehören. Doch grundsätzlich kann auch hier niemand vernünftige Argumente hervorbringen die es schlecht heißen neue andere Dinge auszuprobieren und zu denken.

5. Nicht nach IST-Zustand bewerten sondern nach Entwicklungspotential:

Eines meiner Lieblingssichtweisen du mir viel zu wenig verbreitet scheint. Zu oft ruhen sich die Leute auf ihren Errungenschaften aus und belächeln die, die aus äußeren Umständen noch nicht so weit sind. Aber was ist das für ein unfairer Vergleich. Und auch zu oft fehlt mir hier der Blick in die Zukunft, denn sind es nicht schreckliche Ergebnisse die wir bekommen wenn wir eine realistische Bestandsaufnahme machen. Was hier bewertet werden soll, lass ich mal außen vor, denn es ist mir ehrlich gesagt egal ob es sich um Menschen alleine oder als Gruppe in Form von ganzen Kulturen handelt.

6. Grundeigenschaften und Ansichten ständig überdenken und aktualisieren:

Ähnlich wie das liberale Argument, aber doch mehr auf die geistigen Eckpfeiler fokussiert. Auch hier habe ich das Gefühl das die bestehende Gesellschaft ein falsches Vorbild ist, wenn sie standhafte jahrelange Argumente höher bewertet als dich noch unsicheren „weiß nicht“ Sager. Wieso wird von jemandem der sein ganzes Leben lang einer Idee oder einem Ideal nachgegangen ist und mit all seiner Energie dafür gekämpft hat, mehr Respekt gezollt als jemandem, der nicht ständig aber doch des Öfteren die Partei wechselt und Argumente von Kapitalisten und Kommunisten, Theologen und Wissenschaftlern gelten lässt. Wieso müssen wir uns so fest fahren damit man uns anhört. Wenn mich jemand mit guten Argumenten überzeugen kann, dann bin ich bereit alles anzunehmen. Jedoch nicht so fanatisch und extremistisch wie es Religionen oder andere Organisation tun. Leicht gesagt, gewiss ist es schwierig sich auf einem ständig bewegendem Untergrund zu befinden, aber wenn die Wurzeln einmal zu tief verankert sind, kann der Baum irgendwann ja gar nicht mehr weg, selbst wenn es offensichtlich besser wäre. Wie oft ich in meiner kurzen Zeit die jungen Wurzeln schon rausgerissen habe, trau ich mich gar nicht zu sagen, wegen eben diesem verpönten Image das an diesem Grundansichtenwechsel haftet.

7. Positiv und optimistisch denken (widerspricht in Teilen Punkt 1(also siehe Punkt 8))

Jetzt wird’s ein bisschen knifflig und allein in diesem Punkt wird ersichtlich warum Gesetztesbücher so furchtbar dick sein müssen und die Texte gar unmenschliche Ausmaße annehmen. Das Problem ist, diese ganze Sache mit der Welt zu händeln ist eine furchtbar schwierig Aufgabe, die seltsamerweise ziemlich viele Personen erledigen wollen. Auch hier ist es wieder sehr verpönt zuzugeben das die Aufgaben halt manchmal schwierig bis gar nicht zu lösen sind. Und somit haben wir bei jedem Lösungsansatz neue Probleme, da es immer tausende Ausnahmen gibt in der sich die Regeln in Frage stellen lassen. Obwohl ich ja angedeutet habe jetzt der ernste Faktendozent zu sein kommt natürlich mit dieser leicht übertrieben Ironie der Doppelklammer der Humor wieder durch. selbstkritisch und offensichtlich Behaupte ich das jeder Optimismus, Scheinrealität, ja gar Illusion sein muss. Ich mag Nietzsches Wahrheit aber ich bin wohl noch zu jung um den glauben an den optimistischen Glauben zu verlieren. Und auch hier sehe ich mich wieder sehr allein in der Welt der Literatur. Ich nehme an ihr habt halt alle in beschissenen Zeiten gelebt die ein ständiger Gegenbeweis des Optimismus sind. Aber nur weil eine Theorie nie oder genauer gesagt noch nicht Praxis geworden ist, heißt es immer noch nicht das sie falsch ist. Keine Sorge ich will jetzt hier keine Werbung für tatsächlich überholte Ideale machen, aber den Optimismus werde ich nicht aufgeben. Im Gegenteil, dass ist worum es hier geht. Ich behaupte die Zukunft wird besser und es geht nur darum wie viel sie besser wird. Und jeder Arzt wird euch das Vergleichssymbol des Placebos bestätigen, also weshalb sprießen jetzt nicht mehr von der Wohlstandsinformationsgeneration aus dem Boden und reden so lange von einer besseren Zukunft bis sie tatsächlich besser wird. Sogar ja schon ist. Die die für den Frieden in Europa gekämpft haben, mussten halt noch kämpfen. Wir haben ihn seit der Geburt auf dem Silbertablett und kennen die Bedeutung nicht mehr und meckern jetzt übers Wetter. Meckern in Form von Kritik ist auch gut, in Ordnung und notwendig aber schämen sich denn alle zu sagen das es bereits verdammt gut ist. Wir leben momentan in der besten Welt aller Zeiten. Und, man glaubt es kaum, ich sage es wird noch besser. Aber den Optimismus werdet ihr noch oft genug im Verlauf wiederentdecken. Glück lässt sich halt doch steuern.

8. Richtig differenzieren (zwischen Scheinrealität und Scheinrealität)

Diese Regel ist dann die notwendige Erweiterung, denn wie bereits erwähnt widerspreche ich mir mit Regel eins und sieben selber. Mit der einen Scheinrealität ist also die schreckliche Seifenoper Fernsehwelt gemeint die in allzu vielen Kleinstädten so oft kopiert wird, dass auch sie Realität wird. Hier haben wir so was wie ein negatives Placebo wo allein der Gedanke an eine Krankheit tatsächlich die Krankheit auslöst. Aber da wir anhand von diesem schlechten Beweis sehen wie unser kollektives Gehirn funktioniert oder besser gesagt die Vernunft nicht funktioniert, so können wir das gleiche mit der optimistischen Illusion machen. Diese Regel betont nur noch einmal das ich nicht immer die Wahrheit aber doch gerne eine Lüge mit positiven folgen bevorzuge.

9. Nicht differenzieren (zwischen ernst und ernst, Verantwortung und Verantwortung)

Da man hinter einem guten Witz immer gleich noch einen raushauen sollte, weiß jeder Komiker der das Lachen noch weiter befeuern möchte. Nun würde ich über meine Liste selber nicht lachen, ich würde noch nicht mal sagen, dass ich sehr komisch bin da die besten Komiker ein höheres Level von Freiheit erreicht haben müssen als ich. Aber zu dieser Abstufung meiner selbst komm ich erst nächstes Jahr wenn ich einsehe das ich manchmal zu viel kopiere und am Ende vor lauter Schauspiel vergesse wer ich selber bin. In der Regeln ist nur wieder gemeint das man halt wissen sollte wo die Grenze zwischen Komik und Ernst verläuft. Wenn die Leute dann sogar beim Ernst weiterlachen ist wirklich bewiesen das alles verloren ist. Und so fühlte ich mich als ich diese Mail rausgeschickt habe. Hört denn niemand was ich sage? Doch sie hören mich aber sie können mich nicht ernst nehmen weil ich als ich davor die Clownsnase aufgesetzt habe für immer in dieser Schublade verschwunden bin. Ganz gefährlich Leute, denn damit könnt ihr mich fast zum Wahnsinn treiben und mein einziger Ausweg wird wieder die Clownsnase sein.

10. Klar formulieren (schwer), wenn nicht möglich; Sender: Wortschatz aneignen und Empfänger: Verständnisfragen stellen

Ja und zugegeben es ist auch wirklich schwer mit uns Menschen. Im Gegensatz zu den Kindern und den Tieren haben wir diese Sprachen erfunden. Nicht nur das es so viele sind, sondern auch innerhalb der Sprachen wird einem klar, je mehr man sich damit beschäftigt wie instabil das Kommunikationsmodel ist. Kommunikation kann fast nie astrein funktionieren und in der Regel läuft so viel schief zwischen Sender und Empfänger. Es wäre schon ein großer Fortschritt wenn wir überhaupt realisieren würden, dass die meiste Schuld halt gar nicht bei uns sondern beim Model liegt. Aber das verstehen wir nicht und deshalb gibt es Streit und deshalb gibt es Kriege. Wenn mal einer den Religionen erklären könnte, dass sie doch im Grunde genommen alle gleich sind wären ein paar Millionen weniger gestorben. Aber die Kommunikation funktioniert halt einfach nicht. Das einzige was wir gegen dieses größte aller Probleme machen können, ist mühsam gegenanzuarbeiten. Lesen, lesen und noch mehr lesen damit wir endlich verstehen, das wir nicht verstehen können. Und auch hier empfehle ich dem Durschnittsmenschen auf dem Planeten Erde ein großes Maß an Emotionen rauszunehmen. Sie ganz zu eliminieren wäre zu weit gegriffen aber das ist auch eine der Erkenntnisse die sich irgendwo zwischen 24 und 36 finden. Eine Mischung aus Homo Faber und Rudi Dutschke wäre, wenn sie sich genau in der Mitte treffen super. Vielen Dank Herr Mitbewohner für diese Erkenntnis. Aber vielleicht ist auch die falsch.

11. Alles anzweifeln (Descartes)

Falsch sage ich nicht weil ein Teil von mir das denkt, aber ein Teil von mir könnte das ja in der Zukunft denken. Oder jemand anderes könnte mich mit guten Argumenten davon überzeugen das ich bei dem und dem Punkt noch eine Ergänzungen machen sollte, den anderen streichen sollte und wie in Punkt sechs vielleicht in einem neuen Jahrhundert alles über den Haufen werfen sollte. Regeln sind wie die 24 und sie aus gutem Grund nicht zu befolgen ist 36. Und nicht nur Regeln sondern alles, wirklich alles sollte man ständig kritisch hinterfragen. Ich hoffe, dass genau dieser Punkt und die Tatsache das es endlich immer mehr Menschen gibt die dies tun, sehr bald voran geht. Der Zugang zu Informationen der in unserem Jahrhundert für immer mehr Menschen möglich ist verhindert, dass Spacken wie Hitler, Fernsehwerbung und die Wall Street so viel Macht haben. Auf Descartes sind wir gekommen als ich die Leute auf der Malleterrasse, die mich zu diesem ersten emotional böse klingenden Text gebracht haben, von Schampus zur Lautleserunde gebeten habe. Das Philosophenportal laut zu lesen und danach drüber zu diskutieren zeigt auch wieder wie unterschiedlich die Texte aufgenommen werden. Tolle Erfahrungen die in Kombination mit unvergesslichen Saufgeschichten diesen Sommer meines Lebens in einem schwebendem Genus beendete. Es war das letzte und beste mal das meine Seele auf diese unbeschreibliche Insel rüberhüpfte. Nach der siebenjährigen Reise bin ich auch hier im Mekka (Cocoon After Hour in Renates Villa) angekommen und bin auf dem Höhepunkt mit einem Knall ausgestiegen und war bereit für die nächste Welt. Und so kommt mir ein kleiner verfrühter symbolischer Neuanfang ganz gelegen. Auf in die nächste Runde.

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